Interview mit Wester


Sie sind ja schon relativ früh nach Berlin gegangen und haben Ihre Heimat verlassen mit 18 Jahren. Ursprünglich wollten Sie dort in Berlin Publizistik studieren und mehr so in die journalistische Branche gehen. Was führte Sie dann schließlich doch zur Musik?


Schlicht und ergreifend die Erkenntnis, dass man mit Musik und zwar der Musik, die ich damals machen wollte, nämlich Jazz-Rock oder Pop-Rock mit Jazz-Elementen oder wie auch immer man das ausdrücken mag, dass man damit überleben kann, schlicht und einfach Geld verdienen kann.


Sie sind ja auch noch regelmäßig zu Konzerten, aber auch mit anderen Projekten hier im Mittelrhein tätig. Was verbindet Sie denn immer noch mit Ihrer Heimat?


Na ja wissen Sie, je älter man wird, desto mehr kommt man eigentlich, das ist ja die uralte Weisheit, immer wieder auf die Heimat zurück und es verbindet mich ganz einfach meine Familie, die wohnt im Rheinland, es verbinden mich meine Wurzeln, meine Vergangenheit. Wenn ich durch Linz gehe, sehe ich an jeder Ecke meine Vergangenheit, da springt sie sozusagen aus den Gassen raus (lacht) und das werden Sie nicht abstellen können und ich will es auch gar nicht abstellen, von daher verbindet mich da ganz viel mit.


Aus welchem Grund gingen Sie dann 1982 nach Schleswig-Holstein?


Der Liebe wegen. Es gab zwei Argumente. Das eine Argument war das, das Argument meiner damaligen Chefin (gemeint ist Ulla Meinecke; Anm. d. Verf.), nach der sie damals eine ganze Platte, eine Schallplatte benannt hatte, die hieß „Überdosis Großstadt“ und das andere Argument hieß die Liebe, d. h., dass wir da einfach was wie einen Kompromiss gesucht haben, raus aus Berlin und irgendwo auf’s Land und Schleswig-Holstein bot sich an, weil ich ja Freunde hier oben hatte und ja da gab’s schon sozusagen die ersten Vorkontakte und weil ich viele Ferien hier verbracht hatte vorher schon und mich in das Land ein bisschen verliebt hatte. Hinzu kommt, dass Schleswig-Holstein, wie Sie wahrscheinlich wissen, also zumindest klingen Vorurteile ja ein bisschen so, also das Land der Maler und der Weitgucker ist und der Künstler, also Künstler magisch anzieht, alleine wegen dem Blick, also weil man immer so schön weit gucken kann.


… und das inspiriert Sie auch als Musiker dann.


Ja natürlich, aber weniger als Musiker als vielmehr als Komponist. Also zum Schreiben war das, das habe ich dann hinterher erst festgestellt, einfach unersetzlich und das ist einfach eine wundervolle Atmosphäre, um Musik zu schreiben.


Am 09.11.2008 kommen Sie ja dann wieder hier in die Nähe zu uns nach Rheinbreitbach mit Ihrem Randy-Newman-Projekt. Können Sie im Hinblick darauf schon einmal den Lesern unserer Zeitschrift einmal beschreiben, was den Besucher des Konzertes erwarten wird?


Es erwarten den Besucher drei Herren, die ja sehr sehr individualistische und eigene Vergangenheiten hinter sich haben. Da ist zum einen der Manfred Maurenbrecher, mit dem ich zusammen 1989 den Deutschen Kleinkunstpreis gewonnen habe, der mittlerweile irgendwie auch schon vierzehn, fünfzehn CDs veröffentlich und gerade einen neuen Roman veröffentlicht hat, er ist also Buchautor, Mitglied des P.E.N.-Clubs, 1000 weitere Preise verdient hat und er gilt als einer der großen Sänger, Songwriter dieses Landes, also der Bundesrepublik Deutschland, … dann George Nussbaumer, blinder Sänger aus Österreich, mit dem ich gerade die Medea, ein Ballett, was ich geschrieben habe, für das Landestheater Schleswig-Holstein, mit dem ich gerade hier oben Aufführungen habe, nämlich insgesamt 12 an der Zahl in ganz Schleswig-Holstein, wo er einen blinden Seher spielt. George hat den Grand Prix für Österreich in Oslo 1997 gesungen und hat immerhin den 10. Platz erreicht, einfach eine begnadete Stimme, die schwärzeste Stimme Österreichs. Wir interpretieren Randy-Newman-Songs und zwar ausschließlich Randy-Newman-Songs, weil es unsere große Leidenschaft ist auch und auf unsere Art und Weise und was an diesem Programm wirklich ganz besonders ist, also ich meine, es hat ja immer so Adaptionen gegeben und es gibt auch Top-40-Kapellen oder irgendwas anderes, also was wirklich besonders ist, das ist, dass Maurenbrecher, also Manfred, die englischen Randy-Newman-Texte ins Deutsche transferiert hat, also nicht übersetzt, sondern bearbeitet, was ein gewaltiger Unterschied ist, so dass sie also verständlich sind und die Leute ein ganz großes Aha-Erlebnis haben, weil sie sozusagen erleben einmal George Nussbaumer in der Rolle des Randy Newman – in Anführungsstrichen jetzt all das – Manfred Maurenbrecher in der Rolle des Zeitgenossen, der einfach übersetzt und interpretiert und seine bissigen Kommentare dazusetzt und ich in der Rolle der Kapelle (lacht), der Band und das ist einfach eine sehr eindrucksvolle Geschichte.


… und Sie sind auch schon sehr gut eingespielt, Sie arbeiten ja schon sehr lange mit Manfred Maurenbrecher zusammen.


Mit Maurenbrecher 17 Jahre, das Randy-Newman-Programm gibt’s mittlerweile auch schon zwei Jahre. Wir haben gerade Kloster Banz im Fernsehen im Bayerischen Rundfunk gehabt und das ist sehr erfolgreich mittlerweile.


Sie haben ja auch noch ein anderes Projekt, das Concerto-Projekt. Da werden Sie auch einige Konzerte diesbezüglich nach dem Rheinbreitbach-Konzert geben. Was haben Sie denn danach dann als größeres neues Projekt in Planung?


Das neue Programm heißt „Dedicated lovesongs“, die neue CD, die entsteht im Januar und im März gibt’s eine Tournee und dann gibt’s auch ein Konzert in Linz und das wird sein am Freitag, den 20.03.2009.


Dann haben Sie noch das große Projekt „Nacht der Lieder“, das wird auch am 06.12.2008 jetzt wieder traditionsgemäß durchgeführt. Wie kam es ursprünglich zu diesem Projekt damals?


Das ist schon zwölf Jahre her und ich weiß schon gar nicht mehr, wie wir dazu gekommen sind, auf alle Fälle war einfach die Idee, da mit anderen Singern und Songwritern einen Abend der Gemeinsamkeit zu verbringen, das heißt im ersten Set und da ist das Spiel, die Spielidee: da spielt jeder 15 Minuten Solo. Im zweiten Set gilt: jeder macht 15 Minuten Regie und ja dirigiert auch die anderen sozusagen mit, d. h., kann sich dann von den anderen wünschen, dass sie da mitmachen bei dem eigenen Programm und dadurch entsteht so eine ungeprobte Dichte und Nähe, die für das Publikum sehr eindrucksvoll ist.


Und welche Künstler werden den Besucher dieses Jahr erwarten bei der „Nacht der Lieder“?


In diesem Jahr ist Stephan Sulke da, der eigens aus Cannes anreist und Milla Kay. Sie ist ein Shooting-Star aus Hamburg, die gerade bei der JazzBaltica, das ist ‘ne große Jazz-Show hier oben im Norden, richtig durchgeschossen ist, mit Stern-Artikel usw., also die wirklich Shooting-Star ist in der Szene, in London ihre erste CD jetzt gemacht hat und eine fantastische Sängerin ist. Dazu kommt dann also Maurenbrecher ohnehin ist klar, also Maurenbrecher ist fester Bestandteil (lacht) und dazu kommen noch zwei Musikerkollegen aus Hamburg, die dann noch begleiten.


O.k. gut, ja dann bedanke ich mich für das Gespräch.

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